Interviews

Straßenumfrage 2011

Straßenumfrage 2009

Ich rede darüber ...

Friedemann Binder
(Pfarrer)

„Wann beginnt das Sterben? – Mit dem ersten Atemzug des Lebens. Wie möchte ich sterben? – Vorbereitet und umgeben von lieben Menschen. Warum sollten wir mehr Sterben, Tod und Trauer reden? – weil wir sonst nur eingeschränkte Lebenserfahrung haben.

Wir reden darüber!

Warum ist es so wichtig, dass wir über Sterben, Tod und Trauer reden?

Der Tod gehört mitten ins Leben, weil er uns alle trifft. Den einen früher, den anderen später – aber ausnahmslos jeden von uns. Durch das Reden über Sterben, Tod und Trauer können wir Unfassbares wieder fassbar machen. Indem wir das Sterben zurückholen in die Mitte der Gesellschaft, bekommt der Tod wieder die ihm angemessene Alltäglichkeit.

Gespräche über den Tod finden heutzutage kaum noch statt. Früher, als die Menschen in ihren eigenen vier Wänden starben, war das anders. Sterben, Tod und Trauer gehörten zum Leben, sie waren Alltag. Angehörige und Nachbarn kamen ins Haus des Verstorbenen, um Abschied zu nehmen. Beim Trauermahl lag der Verstorbene im Nebenzimmer.

„Echte Trauer ist immer verbunden mit dem Annehmen des Verlustes oder dem endgültigen Verzicht darauf, das bisher sehnsüchtig gesuchte Gut jemals zu finden. Solche Trauer ist mit einem sehr schmerzlichen, harten und klaren Gefühl verbunden, und nach einiger Zeit spüren wir dann, wie die zunächst erstarrte und anscheinend ausweglose Situation sich aufzulösen beginnt, wie unser Gesicht wieder weicher und unser Herz wieder wärmer wird und wir einen ganz neuen Zugang zu unserer Gefühlswelt erlangen, vielleicht sogar so stark, als sei eine ganz neue Dimension in unser Leben hineingekommen. Wir haben zwar endlich Abschied von alten, unerfüllten Hoffnungen genommen, sind aber nun offen für neue Erfahrungen.“

Helmut Remmler: Der Königssohn, der sich vor nichts fürchtet - Mit vierzig fängt das Leben an. Kreuz-Verlag, Zürich 1984

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Wie sind die Interviews in der Fußgängerzone entstanden? Unser Filmteam ist auf die Menschen zugegangen und hat gefragt: "Kennen Sie Palliative Care?" "Wissen Sie, was ein Hospiz ist?" "Wie stellen Sie sich Ihr Sterben vor?" "Wo möchten Sie bestattet sein?"... Zunächst war uns mulmig: Wie würden unsere Interviewparter auf Fragen zu Tod und Sterben reagieren?

Offen! Und es war nicht schwierig. Unser Fazit: Wenn man sich traut, ein Gespräch zu beginnen, erfährt man viel Neues, Interessantes und ganz Unterschiedliches: z.B., wie viele Jugendlichen schon einmal persönlich oder nah mit einer schwerwiegenden Diagnose konfrontiert waren.