Wir reden darüber!

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Dr. Johannes Warmbrunn

(Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren)

Ich rede darüber weil ...

Der Gedanke an Sterben und Tod ist nicht angenehm. Wie viele hoffe auch ich, es möge schnell und schmerzlos vonstattengehen. Ist mir das nicht vergönnt, so hoffe ich, dass ich im Angesicht des Unausweichlichen neben Kummer und Schmerz auch Ruhe und Frieden erleben darf. Ich wünsche mir einfühlsame Menschen an meiner Seite. Meine Angehörigen mögen nach meinem Tod weiter eng verbunden sein. Und nicht zuletzt: Ich hoffe, dass mir mein Glauben Kraft gibt. Romano Guardini soll gesagt haben: „Das Sterben ist die uns zugewandte Seite jenes Ganzen, dessen andere Seite Auferstehung heißt.“

Dr. Johannes Warmbrunn
(Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren)

Dr. Almut Satrapa-Schill

(Robert Bosch Stiftung)

Ich rede darüber weil ...

In einer älter werdenden Gesellschaft ist es wichtig, Sterben, Tod und Trauer als Teil des menschlichen Daseins auch in den öffentlichen Diskurs zu bringen. Der Umgang damit und Versorgungsfragen am Lebensende stellen sich aufgrund der demographischen und strukturellen Veränderungen neu. Unter ethischen Gesichtspunkten ist in einem generationsübergreifenden Dialog zu klären, wie und in welchem Umfang die Gesellschaft bereit ist, knapper werdende personelle und finanzielle Ressourcen einzusetzen.

Dr. Almut Satrapa-Schill
(Robert Bosch Stiftung)

Stadtdekan Dr. Christian Hermes

(Katholische Kirche)

Ich rede darüber weil ...

Dass der Mensch endlich ist, verletzlich und bedürftig, gibt ihm als Person und jedem Augenblick seines Lebens Würde und Einmaligkeit. Deshalb gilt es, lange bevor es ans Sterben geht, "endlich zu leben" und das Leben als geschenkte Zeit zu schätzen. Als Christen glauben und hoffen wir, dass das, was an uns ewig einmalig ist, was uns als Person ausmacht und was man auch heute noch "Seele" nennen darf, im Tod nicht verloren geht, sondern in Gott gerettet und aufgehoben wird. Als Seelsorger bei Sterbenden, bei Begräbnissen und in der Begleitung Trauernder habe ich immer wieder erlebt, wie diese Hoffnung hilft, selber gehen zu können oder einen Menschen gehen zu lassen, bei allem, was an Trauer, Wut, Angst, Schwierigem vielleicht zurückbleibt. Ich bin allen sehr dankbar, die sich in der Hospizarbeit und Trauerbegleitung engagieren. Wie wir mit Schwerkranken und Sterbenden, mit Tod und Trauer umgehen, ist für mich ein Gradmesser für die Humanität unserer Gesellschaft.

Stadtdekan Dr. Christian Hermes
(Katholische Kirche)

Muhterem Aras

(MdL)

Ich rede darüber weil ...

Der Tod gehört zum Leben. Er ist allgegenwärtig. Deshalb sollte man sich mit dem Tod auseinandersetzen. Das ist für den Einzelnen, aber auch für seine Angehörigen wichtig, um nicht beispielsweise eines Tages unvorbereitet den Tod zu erleben und verarbeiten zu müssen. Ich bin auch dafür, Kinder an diesem Bereich des Lebens teilhaben zu lassen.

Muhterem Aras
(MdL)

Prof. Stephan Ferdinand

(Hochschule der Medien Stuttgart)

Ich rede darüber weil ...

Wenn nächste Verwandte sterben, rückt der Tod nahe – oft überraschend. Vorbereitet ist man nie. Darum sollten wir rechtzeitig über das Sterben reden. Um es normaler werden zu lassen. Mein Vater starb mit Brahms’ Requiem im Kopfhörer. Er wollte eins sein mit der Musik. Diese Selbstbestimmtheit im Umgang mit dem Sterben hat mich zutiefst beeindruckt.

Prof. Stephan Ferdinand
(Hochschule der Medien Stuttgart)

Nina Kurzeja

(Choreographin)

Ich rede darüber weil ...

Als mein Vater vor vier Jahren an einem Gehirntumor starb, lagen zwischen Diagnose und seinem Tod gerade mal neun Wochen. Zu wenig Zeit, um sich auf diesen Schritt vorzubereiten, weder für ihn selber noch für uns Angehörige - wie macht man so was überhaupt??? Gespräche in aller Offenheit wären vielleicht eine Option gewesen, aber ein Klammern ans LEBEN machte dies fast unmöglich. Erst in den letzten Tagen im Hospiz hatten wir alle eine Möglichkeit loszulassen - Raum und Zeit verändern ihre Funktion an diesen geschützten Ort. Für diese Erfahrung bin ich bis heute sehr dankbar.

Nina Kurzeja
(Choreographin)

Friedemann Binder

(Pfarrer)

Ich rede darüber weil ...

„Wann beginnt das Sterben? – Mit dem ersten Atemzug des Lebens. Wie möchte ich sterben? – Vorbereitet und umgeben von lieben Menschen. Warum sollten wir mehr über Sterben, Tod und Trauer reden? – weil wir sonst nur eingeschränkte Lebenserfahrung haben.

Friedemann Binder
(Pfarrer)

Adrian Zielcke

(freier Journalist)

Ich rede darüber weil ...

Meine Mutter ist im gesegneten Alter von 101 Jahren gestorben. Sie hat alle Tiefen und alle Höhen des vergangenen Jahrhunderts erlebt. Sie hat sich bis in ihre letzten Tage über jede blühende Blume, über jeden Sonnenschein gefreut. Dann ist sie ruhig und sanft eingeschlafen. So möchte ich auch sterben, nach einem erfüllten Leben im Frieden mit sich selbst einschlafen.

Adrian Zielcke
(freier Journalist)