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Portrait Elisabeth Kunze-Wünsch

 

"Der Mensch steht auf seinem letzten Weg im Mittelpunkt“: Elisabeth Kunze-Wünsch

von Adrian Zielcke (2014)

Das Hospiz Stuttgart ist Gott sei Dank kein nüchterner Beton-Bau, in dem Menschen verwaltet werden. Nein, den Besucher wie natürlich zuallererst auch die Patienten erwartet eine herrliche und sehr gepflegte Jugendstilvilla in der Stafflenbergstraße, typische Stuttgarter Halbhöhenlage mit Aussicht über die ganze Stadt auf die Karlshöhe. An den Decken ist der Stuck erhalten, ein Garten schmückt das Haus. Unwillkürlich ertappt man sich beim Gedanken: „Hier möchte ich einziehen!“ Aber die Villa ist ein Ort für Menschen auf ihrem letzten Weg, auf dem sie sorgsam begleitet werden, wenn notwendig, Tag und Nacht.

Elisabeth Kunze-Wünsch ist eine lebhafte, engagierte Pfarrerin, die auch Freude an intellektuellen Diskussionen hat. Die evangelische Geistliche kommt sofort auf den Punkt, schließlich ist Stuttgart inzwischen eine der internationalsten Städte in Europa: „Wir begleiten Muslime, Christen, Juden, Atheisten, Agnostiker, alle Menschen, die zu uns kommen. Aber der Träger des Hauses ist die evangelische Kirche.“

Bevor Kunze-Wünsch die Gesamtleitung des Hospizes übernahm. war sie seit 2003 Krankenhaus-Seelsorgerin im Bürgerhospital und von dort auch zuständig für die Hospiz-Station. Heute ist sie nicht „nur“ Geistliche, sondern auch Supervisorin, d.h. Beraterin für Menschen in helfenden Berufen. Im August 2012 hat sie ihr Amt in der Stafflenbergstraße angetreten  - sicher eine der anspruchsvollsten und herausforderndsten Aufgaben, welche die Kirche zu vergeben hat. Wie ist das durchzuhalten?

Elisabeth Kunze-Wünsch sagt klar und deutlich: „Ich lebe nicht nur durch meinen Beruf. Ich habe ein erfülltes Privatleben, das brauche ich zum Ausgleich für die ständige Begleitung Sterbender und deren Angehöriger. Ich gehe gerne zu Fuß, ich bewege mich in Straßen und in der freien Natur, ich kann mich an schönen Häusern ebenso wie an schönen Bäumen freuen, an Schönheit schlechthin.“ Und sie zeigt mir begeistert die wunderbare Aussicht aus ihrem Fenster über die Stadt. „Ich singe in Chören und nehme auch Gesangsunterricht. Ich liebe Chorgesang, Oper, Ballett - da gibt es in Stuttgart ja wunderbare Angebote. Familie und Freundschaften sind mir ebenfalls sehr wichtig. Meine Familie lebt weit weg von hier in Berlin. Und so schön es manchmal wäre, wenn sie hier in Stuttgart wäre, so gut tut es doch auch, sie in Berlin und an der Ostsee zu besuchen.“ Ihre Eltern, die beide noch leben, kommen aus Masuren, aus Mragowo, dem alten Sensburg im ehemaligen Ostpreußen. Der Vater war Pfarrer, die Mutter eine sehr aktive Pfarrfrau. Sie haben die Tochter nachhaltig geprägt. Noch einmal betont sie: „Man braucht private Erholungsquellen, das ist eine Voraussetzung für die Arbeit hier.“ Sie fügt hinzu: „Natürlich ist der Glaube ein sehr wichtiger Aspekt, ein Lebensbegleiter.“

Erst über Umwege ist sie auf das Studium der Theologie gestoßen: „Ich wollte mich von meinen Eltern emanzipieren!“ Lebhaft erinnert sie sich an die Professoren Moltmann und Jüngel in Tübingen und an Gollwitzer in Berlin, ihren „Hauptlehrer“. Und so begann Elisabeth Kunze-Wünsch eine normale Laufbahn: 15 Jahre lang arbeitete sie als Gemeindepfarrerin im Großraum Stuttgart. Berufliche Bilanz: „Die Kirche hat mir viel ermöglicht.“

In ihrer Arbeit im Bürgerhospital hat sie auch das Hospiz Stuttgart kennen gelernt. Ihr Interesse an „Palliative Care“ erwachte, an der sorgsamen, respektvollen Begleitung Sterbender, der umfassenden lindernden Fürsorge für todkranke Menschen und deren Angehöriger. Eine solch umfassende Fürsorge, davon ist sie überzeugt, kann heute keine einzelne Berufsgruppe mehr leisten. „Das ist medizinische, soziale, seelsorgerische, therapeutische Arbeit.“ Diese Teamarbeit macht Freude. „Denn hier“, so Kunze-Wünsch, „gibt es keine Norm, wir wollen jeden Menschen nach seinen eigenen Bedürfnissen und Wünschen betreuen, nicht nach Regeln und Vorgaben. Der Mensch steht auf seinem letzten Weg im Mittelpunkt.“ Dieser Gedanke mag heute selbstverständlich wirken, ist es aber ganz und gar nicht. „Die Hospizbewegung hat Großes geleistet. So Vieles hat man früher verdrängt. Und das Thema Sterben, Trauer, Leiden bleibt schwierig und schwer. Jeder assoziiert auf diesem Feld seine eigenen Verluste, sein eigenes Sterben. Wir leben heute in einer Gesellschaft, die alles planen will, alles versichern will. Aber das Leben können sie nicht planen. Das erzeugt unmittelbare Ängste. Aber es werden auch Hoffnungen wach und der Glaube wächst. Wir haben eine starke, eine überzeugende Botschaft weiterzugeben, das macht Mut.“ So ist Elisabeth Kunze-Wünsch im Lauf der Jahre in ihre Aufgabe hineingewachsen. Heute leitet sie das Hospiz mit 45 hauptamtlichen Mitarbeitern, drei Palliativ-Medizinern und rund 250 ehrenamtlichen Mitarbeitern. Das Stuttgarter Hospiz ist eine gewachsene Institution, es gehört zu den ältesten Hospizen in Deutschland.

Sie hat sehr gute Erfahrungen mit dem Austausch, mit der gegenseitigen Vernetzung gemacht, schließlich ist sie eine engagierte Verfechterin von Teamarbeit. „Das Palliativ-Netz Stuttgart versucht alle miteinander in Verbindung zu bringen. Das ist sehr sinnvoll. Gleichzeitig ist das Netzwerk umgekehrt auf das Hospiz angewiesen. Denn bei uns sind ja die Patienten, um die es geht. Aber eine Plattform für den Austausch von Informationen ist sehr wichtig, ebenso ein Forum für die Öffentlichkeitsarbeit. Denn wir müssen noch bekannter werden.“

Zum Schluss sagt sie noch einmal: „Diese Arbeit hier erzeugt Befriedigung, Erfüllung und Zufriedenheit. Was wir hier für die Menschen in ihrem letzten Lebensabschnitt tun können, wie wir uns auch um die Angehörigen kümmern können, Trauernde zu begleiten, das ist für mich eine schöne Aufgabe.“ Eine eindrucksvolle, eine überzeugende Frau.